Fragt man Kinder nach ihrem Berufswunsch, habe ich noch nie als Antwort „Versicherungsmakler“ gehört. Gegen Traumberufe wie Pilot, Architekt, Lehrerin, Lokomotivführer oder Tierärztin stinkt unsereins glatt ab. Meine eigene Tochter hat mir kürzlich verkündet, dass alles was mit Versicherungen zu tun hat ja „urfad“ sei.

Auch für die meisten Erwachsenen stellt sich das so dar. Der Grund liegt oft darin, dass die meisten sich gar nicht vorstellen können was unsereins den ganzen Tag so macht.

Nachdem wir nun die nüchternen Fakten in Bezug auf Coolness-Faktor geklärt haben ….

Was mache ich als Versicherungsmakler also wirklich den ganzen Tag?

 

Wendet sich jemand das allererste Mal an mich, gibt es zu Beginn immer mal zwei Arbeitsschritte:

  1. Risikoanalyse => ich bespreche mit dem Kunden was er will und was er braucht.
  2. Deckungskonzept => ich konzipiere ein Versicherungspaket, das einerseits alle Bedürfnisse des Kunden abdeckt und dies zur bestmöglichen Prämie. Selbstverständlich wird das dann im Detail durchbesprochen

Für bestehende Kunden erledigen mein Team und ich ….

… das komplette Schadenservice

  • Wenn´s mal kracht verständigen wir die Versicherung und sorgen dafür, dass die Sache nicht „einschläft“ sondern möglichst rasch erledigt wird.
  • Wenn die Versicherung sich weigert etwas zu bezahlen, schalten wir uns ein. Da kann es auch soweit gehen, dass wir OGH-Urteile suchen, Bedingungen bis ins letzte Detail analysieren, etc. Auf jeden Fall verbringen wir sehr viel Zeit damit, mit Schadenabteilungen zu kommunizieren.
  • Nicht alles lässt sich aber per Mail erledigen. Oft bedarf es eines Telefonates mit dem Sachbearbeiter. Durch die schwere Erreichbarkeit der meisten Mitarbeiter ist das eine sehr zeitintensive Sache. Wir verbringen daher täglich viel Zeit in telefonischen Warteschleifen … und würden uns wünschen, dass Versicherungen Ihre Wartemusik häufiger wechseln ? Nicht so selten zieht sich der Versuch jemanden zu erreichen über Tage hin.

… sämtliche Verbraucherfragen die so anfallen

  • Egal ob Frau Maier sich ein neues Auto gekauft hat und sich mit den Anmeldeformalitäten bei der Zulassungsstelle nicht auskennt. Oder Herr Huber umziehen wird und daher seine Haushaltversicherung auf die neue Adresse mitnehmen möchte. Oder es bei Familie Bauer Nachwuchs gibt und man sich für eine Krankenzusatzversicherung fürs Baby informieren möchte.
  • Alle diese Kundenanfragen beantworte und erledige ich mit meinem Team. Ob per Telefon, per Mail oder im persönlichen Gespräch.
  • Unsere Firmenkunden besuche ich immer vor Ort. Das sind dann immer arbeitsintensivere Termine (Vorbereitung, Nachbereitung, Fahrzeiten, …).

Videokonferenzen

Egal ob es um fachliche Seminare, neue Techniktools oder den regelmäßigen Austausch mit Maklerkollegen geht. Im Zeitalter von Corona sind Videokonferenzen nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Web-Cam und Headset gehören mittlerweile zur Grundausstattung meines Schreibtischs. Auch die meisten Kundengespräche laufen heute via Zoom ab und nehmen einen nicht unbeträchtlichen Anteil meiner täglichen Arbeitszeit ein.

 

Formulare, Formulare …

Dank zahlreicher neuer Gesetze und Bestimmungen im Laufe der letzten Jahre ist auch die Bürokratie bei uns im Büro immer umfangreicher geworden.

Kommt heute ein neuer Kunde zu uns, muss ich ihm mittlerweile – selbst für eine banale KFZ-Haftpflichtversicherung – 5 Unterschriften abringen, nur um mal gesetzeskonform zu arbeiten. Manches davon ist sicher vernünftig, anderes ist hinsichtlich Sinnhaftigkeit fragwürdig.

Es hat unseren Arbeitsalltag jedenfalls nachhaltig beeinflusst. Fakt ist, dass es uns heute ungleich mehr Zeit kostet, alle Formalitäten zu erfüllen als noch vor ein paar Jahren. Es scheint fast so, dass sämtliche Tools die uns heutzutage die Arbeit erleichtern, durch die zeitfressenden Dokumentationspflichten wieder kompensiert werden. Aber damit sind wir bekanntlich nicht allein.

 

Conclusio

In Summe ist mein Arbeitsalltag sehr abwechslungsreich. Kein Tag verläuft wie der andere. Ich habe tagtäglich mit unterschiedlichsten Menschentypen zu tun. Das ist zwar manchmal eine Herausforderung, macht mir aber extrem viel Spaß. Und es ist viel spannender als sich das die meisten Leute vorstellen.

Es gibt wohl kaum einen anderen Beruf bei dem kundenseitig die Erwartungshaltung noch mehr in Richtung „Wunderwuzzi“ geht: Versicherungsexperte, Jurist, Steuerberater, Psychologe, Psychotherapeut, Gutachter, Gesundheitsexperte, … all das sollten wir sein. Natürlich kann und darf unsererseits  – schon aus Haftungsgründen – nicht alles an Fragen beantwortet werden. Aber irgendwie streift unser Alltag doch an sehr vielen anderen Bereichen.

Und so wird es nie langweilig. Damit muss ich meiner Tochter dann doch widersprechen.

 

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