Auch wenn die Reisezeit heuer für uns alle etwas anders aussehen wird als die Jahre davor…. Die Frage, ob eine Reiseversicherung überhaupt notwendig ist, wird mir von unseren Kunden gerade jetzt sehr häufig gestellt.

Da die Fragen oft einhergehen mit generell falschen Annahmen zum Versicherungsschutz, hier kurz zusammengefasst, welche Irrtümer häufig bestehen:.

Irrtum Nr. 1 – Ich habe ohnehin eine Kreditkarte mit Versicherungsschutz

Hier stellt sich als allererstes die Frage was hier überhaupt mitversichert ist. Ganz generell muss man sagen, dass Kreditkartenversicherungen sehr lückenhafte Deckungen aufweisen. Manchmal sind Selbstbehalte vorgesehen, die den Schutz nahezu ad Absurdum führen.

Wer hat Versicherungsschutz bei der Kreditkarte?

Auch wenn man es als selbstverständlich voraussetzen würde, dass die gesamte Familie vom Schutz erfasst ist – die Realität zeigt oft das Gegenteil. Je nach Kartentyp ist häufig nur der Karteninhaber versichert.

Zu beachten ist auch, dass mitreisende Nicht-Familienmitglieder verständlicherweise nicht im Versicherungsschutz erfasst sind. Diese müssten sich also ohnedies immer selbst um ein für sie ausreichendes Versicherungspaket kümmern.

Unter welchen Voraussetzungen zahlt die Kreditkarten-Versicherung?

Oft sind besondere Nutzungsbedingungen die Voraussetzung für Leistungen der Kreditkartenanbieter. Und auch da ist dies häufig erst in Gold- oder Platinum-Editionen gegeben. Selbst dann ist jedoch der Schutz oft lücken- bzw. mangelhaft. Beispielsweise muß bei manchen Anbietern die Reise selbst mit der Kreditkarte bezahlt worden sein.

Irrtum Nr. 2 – Meine e-Card übernimmt die Reiseversicherung

Die eingeschränkten Leistungen der e-Card

Erstens übernimmt die e-Card im Ausland nur Leistungen von Vertragsärzten und öffentlichen Spitälern. Man bedenke, dass wir in Österreich eines der besten Gesundheitssysteme der Welt haben. Somit haben die meisten Länder in die wir auf Urlaub reisen – aus unserer Sicht – einen zum Teil weitaus schlechteren medizinischen Standard.

Weiters zahlt die österreichische Krankenkasse nur medizinisch notwendige Leistungen im Ausland, und auch diese nur auf Basis der jeweils gültigen Tarifsätze (die für Österreich angewendet werden). Nachdem es bei einem medizinischen Notfall im Ausland aber oft schnell gehen muss, landet man da schnurstracks in einem Privatspital und muss dort alles direkt und sofort bezahlen.

Meine persönliche Erfahrung mit einem medizinischen Notfall in der Türkei

Ich spreche hier aus Erfahrung: Mein Sohn hat sich als 2-Jähriger beim Türkei Urlaub eine Platzwunde über dem Aug zugezogen, die genäht werden mußte. Ich möchte mich gar nicht mehr daran erinnern wie es war mit einem blutüberströmten Kind am Arm – non-stop brüllend versteht sich – im Taxi ins nächste Privatspital zu fahren. Es hat dort zwar alles wunderbar funktioniert, allerdings wünsche ich derartig nervenaufreibende Erlebnisse niemandem. Um diesen Nachmittag erholungstechnisch zu kompensieren wäre mindestens noch eine weitere Woche Urlaub notwendig gewesen. Was ich jedoch als Erinnerung eindringlich mitgenommen habe: Bei der Aufnahme war einzig und allein unsere VISA-Card von Interesse.

Wieder zu Hause bleibt man dann jedenfalls auf einem Gutteil der Kosten sitzen, weil man von der hiesigen Sozialversicherung nur einen Bruchteil rückerstattet bekommt.

Reiseversicherung außerhalb des EU-Raumes

Außerhalb der EU hat die e-Card ohnehin keine Gültigkeit, da benötigt man also v.a. für Länder mit extrem hohen Behandlungskosten wie die USA unbedingt eine Reisekrankenversicherung. In diesen Ländern müssen ohnehin sämtliche Kosten für ärztliche Behandlungen, Krankenhausbehandlungen etc. selbst bezahlt werden.

Das kann selbst bei einem nicht allzu dramatischen Fall schnell mal die Kosten eines Kleinwagens verschlingen. Selbst erlebt bei einer Kundin in den USA. Knöchelbruch und danach in Privatklinik behandelt.

Du musst dir immer vor Augen halten, dass du vor Ort meist in der Rolle des Schwächeren bist, womöglich dringend Hilfe brauchst und die Menschen leider nicht immer in erster Linie an dein Wohl denken werden. So liefert man Touristen weltweit gerne in Privatspitäler ein. Du hast dort vielleicht einen besseren medizinischen Standard, mitunter aber auch eine saftige Honorarnote hinterher, für die niemand Ersatz leisten wird.

Irrtum Nr. 3 – Mir passiert schon nichts

Vertraust du aufs Glück? Auch eine Lebenseinstellung. Passt aber besser zum Lotto. Wenn es ums Reisen ins Ausland geht, ist diese Einstellung allerdings nicht sehr ratsam. Man sollte niemals vergessen, dass man es hier mit fremden Kulturen, völlig unterschiedlicher Rechtslage und anderen medizinischen Standards zu tun hat.

Natürlich muss man prinzipiell gar nichts versichern. Ob du eine Reiseversicherung abschließt wird  wesentlich von deinem Reiseziel abhängen und davon, welche Anforderungen du selbst hast.

Ich kann jedenfalls nur den Tipp geben, sobald Kinder mit dabei sind, kein Risiko einzugehen. Besonders hier können unvorhersehbare Vorfälle (siehe mein Türkei-Erlebnis) passieren.  Jeder wünscht sich im Fall des Falles beste ärztliche Betreuung. Wenn du kein böses (Kosten)Erwachen willst, solltest du vorsorgen.

Deine To-Do-Liste

  • Checke ab, ob alle Familienmitglieder eine funktionierende e-card haben
  • Überlege ob eine Reiseversicherung für dich Sinn macht
  • Vorsicht bei Online-Buchungen – oft werden hier durch einfaches Anklicken Versicherungen mitgekauft die man gar nicht wollte.
  • Prüfe deinen Reiseversicherungsvertrag – so du schon einen hast – ob alle Voraussetzungen für den von dir gewünschten Schutz gegeben sind, und zwar für alle Familienmitglieder bzw. Mitreisenden.

 

Conclusio

Ob du eine Reiseversicherung brauchst kommt auf die Gesamtreisekosten und das Reiseziel an. Ratsam ist dieses auf jeden Fall außerhalb dem EU-Raum.

Was es im Bereich Reiseversicherung für Versicherungsarten gibt, werden wir uns nächste Woche näher ansehen.