Gerade zu Beginn einer Selbständigkeit bekomme ich von meinen Kunden immer sehr viele Fragen bezüglich Versicherungen. Du solltest dich daher gut informieren, welcher Schutz für dich im Augenblick unbedingt erforderlich ist und welcher vielleicht auch noch etwas warten kann. Da man die Fixkosten zu Beginn noch niedrig halten will ist aber guter Rat oft teuer.

Eine Verpflichtung sich zu versichern gibt es prinzipiell – mal abgesehen von der Sozialversicherung – nicht. Nur bestimmte Berufsgruppen wie z.B. Ärzte, Anwälte, Steuerberater, Zivilingenieure, Versicherungsmakler, etc. benötigen verpflichtend eine Berufshaftpflichtversicherung.

Generell macht es in der Versicherungswelt einen großen Unterschied ob du eine Privatperson oder ein Selbständige*r bist. Ein Unternehmer wird in vielerlei Hinsicht als komplett anderes „RIsiko“ gesehen und kalkuliert.

Hier ist eine Zusammenstellung meiner Top 6 Versicherungen für Selbständige:

Betriebs- bzw. Berufshaftpflicht

Die brauchst du. Und zwar ohne Wenn und Aber. Und egal in welcher Branche du tätig sein wirst. Eine Betriebshaftpflichtversicherung ist deshalb die wichtigste Absicherung für dich, da Schadenersatzansprüche von Dritten schnell mal sehr hoch ausfallen und damit ein existenzielles Risiko darstellen können. Bei ungerechtfertigten Forderungen hingegen übernimmt die Haftpflichtversicherung auch die Abwehrkosten.

Vereinfacht ausgedrückt: sie übernimmt die gleichen Aufgaben wie deine private Haftpflichtversicherung, eben nur auf Basis als Unternehmer und abgestellt auf deine Branche. Daher ist es sehr wichtig, der Versicherung genau mitzuteilen was du machst. Ich empfehle immer den/die Gewerbeschein/e vorzulegen, dann gibt es hinterher keine Diskussionen über deine tatsächliche Tätigkeiten.

Rechtsschutzversicherung

Das Pendant zur Haftpflicht ist die Rechtsschutz. Hier ist dein Schutz von der anderen Seite zu betrachten: Wenn du als Selbständiger zB Schadenersatzansprüche gegen jemand anderen hast. Nachdem die Rechtsschutz wie ein Baukastensystem funktioniert, baust du dir deinen Schutz sozusagen individuell für deinen Bedarf zusammen – wenn du zB Angestellte hast, oder ein Firmenauto, oder dich gegen deinen Vermieter absichern willst ….

Du hast schon eine private Rechtsschutz? Dann kann man diese auf eine Unternehmerrechtsschutz „aufrüsten“. Somit bleibt auch deine mitversicherte Familie mit an Bord.

Verdienstausfall infolge Krankheit oder Unfall

Diese Versicherung zahlt dir einen fixen Tagsatz aus, für jeden Tag an dem du nachweislich durch Krankheit oder Unfall nicht arbeiten kannst. Der Betrag muss natürlich deinen tatsächlichen Geschäftszahlen entsprechen, da eine Besserstellung nach einem Schadensfall nie dem Versicherungsgedanken entspricht.

Wichtig ist hier zu erwähnen: Damit du aus dieser Sparte eine Leistung erhältst, muss ein völliger Betriebsstillstand vorliegen. Wenn du also selbst mit Liegegips deine Aufträge locker flockig vom Bett aus abarbeitest und die Versicherung findet das heraus, gibt es keine Entschädigung.

Auch ein Sachschaden kann natürlich die Ursache für einen Betriebsstillstand sein und wäre hier versichert.

Wie wichtig es ist, auch das Kleingedruckte zu kennen ist spätestens seit der Corona-Pandemie bekannt. Hier sind gerade aus dieser Sparte bereits zahlreiche Prozesse anhängig.

Im Fachjargon nennt man diese Versicherungsart auch Betriebsunterbrechung für freiberuflich Tätige (kurz: BUFT).

Berufsunfähigkeitsversicherung

Wie wichtig sie nicht nur für Selbständige ist, zeigt die Statistik: rd. 20 % aller Berufstätigen werden im Laufe ihres Lebens berufsunfähig. Es sind auch nicht mehr nur jene Berufe davon betroffen, die mit schweren körperlichen Tätigkeiten verbunden sind. Schon bei jedem dritten sind psychische Erkrankungen die Ursache für den Eintritt einer Berufsunfähigkeit. Und genau diese Art von Erkrankungen ist losgelöst von der Branche in der du tätig bist.

Die Unterscheidungen der staatlichen Leistungen kannst du hier nachlesen:  https://www.oesterreich.gv.at/themen/menschen_mit_behinderungen/pension_und_behinderung.html

Aufgrund der hohen Prämien ist die Berufsunfähigkeitsversicherung in Österreich leider noch nicht sehr verbreitet. In Deutschland hingegen hat man deren Bedeutung schon lange erkannt. Da gibt es kaum Selbständige oder Angestellte, die solch einen Versicherungsschutz nicht haben.

Ablebensschutz

Das solltest du nicht außer Acht lassen: Sollte dir was passieren, was dann? Ist die Familie abgesichert? Oder dein Geschäftspartner? Wie schwer wäre es dann, einen allfälligen Kredit zu bedienen?
Kein angenehmes, aber sehr wichtiges Thema für uns Selbständige

Schutz für die Einrichtung deines Büros, deiner Werkstätte, etc.

Man kann heute schon nahezu jede nur denkbare Zerstörung, Beschädigung oder Diebstahl von Betriebseinrichtungen und Waren abschließen: Feuer, Einbruch, Leitungswasser, Sturm, Technik, Maschinenbruchversicherungen. Auch hier richtet sich die Prämienhöhe nach der Wahrscheinlichkeit, dass ein Schaden passiert. Anders gesagt: eine Tischlerwerkstatt wird in Bezug auf Feuerrisiko eine größere Gefahr darstellen als ein reiner Bürobetrieb.

Viele der heute Selbständigen arbeiten von zu Hause aus. Da beschränkt sich die Betriebseinrichtung meist auf einen Schreibtisch, einen Aktenschrank und das Notebook. Hier wäre lediglich mit deiner Haushaltversicherung abzuklären ob diese betrieblich genutzten Gegenstände mitversichert sind oder man diese einschließen kann.

Conclusio

Sowenig wie möglich, soviel wie nötig – so lautet die Devise für Start-Ups. Was genau für dich wichtig ist besprichst du am besten mit deinem Versicherungsmakler, da es sehr davon abhängt in welchem Bereich du dich selbständig machst.

P.S.: Vergiss nicht – es gibt für alles eine Lösung!